Leseprobe aus "Die Gedichte des Preußenkönigs"

Friedrich II.

(der Große)

Selowitz, 20.03.1742

  

Dies Ufer, einst der holden Ruh geweiht,

scheint fremd vom Schrecken graus`ger Kriegeszeit.

Wo ist die Schönheit, wo die Lust geblieben?

Dem Werk des Todes ist man nun verschrieben.

Die Bäume, die von liebevoller Hand

bestimmt, zu schmücken dieses schöne Land,

man nahm sie hin, zu füllen jenen Graben,

den Feinde rings um Brünn gezogen haben.

Das Vieh, des Herden weidend uns gefreut,

stillt unser Siegertruppen Hunger heut,

der Weinberg muss uns Reisigbündel geben,

dem Kampfe dient der Bauern rüstig Leben.

So ist`s, wenn Sturmwind Ungewitter schafft,

aus Nord und Süd Gewölk zusammenrafft,

schwarz wie der Himmel, dumpfe Donner grollen,

wenn sich die Elemente messen wollen.


Und jener große Tag wird offenbaren,

ob Ruhm und Ehre uns zum Segen waren,

ob Hochmut gar, Selbstsucht und blinder Zwang

verzweiflungsvoll den Lorbeer sich errang.

Oh Mährens Au, Epirus zu vergleichen,

verhängnisvoll wirst du den Größten reichen,

die Fluten dein, vom Blut des Kampfes rot,

tragen zum Meer, des Schicksals streng Gebot.

Von Cadix nach Wiborg, von brit`scher Erde

bis nach Messina hin harrt eine Welt,

ob Sieg ob Tod durch uns erstritten werde.